Ellerntorsbrücke am Herrengrabenfleet, Hamburg

Das technische Grundprinzip von Fotografie ist nicht mehr Optik, es ist Software. Für die Älteren ist das gewöhnungsbedürftig, die Jüngeren kennen es nicht anders und stellen auch keine Fragen. Wie etwa: Hat es echt so ausgesehen? Das Bild vom Hamburger Herrengrabenfleet oben entstand mit dem Nachtmodus des iPhone 11 – etwa drei Sekunden aus freier Hand, ohne Stativ, eher beiläufig gemacht. Ähnliche Bilder mit der Kamera wären ungleich aufwändiger gewesen: Stativ, mindestens drei Belichtungsreihen, später Nachbearbeitung des RAW-Files in einer Bildbearbeitung. Etwas Pflege in Lightroom hat das Bild oben zwar auch bekommen, aber wenig. Es war eigentlich fertig – und: es hat mit dem Licht der echten Situation zwar Ähnlichkeiten, aber es ist eher die Postkarten-Ansicht eines Motivs.

„Computational Photography“ stellt in Frage, ob Fotos noch ein Dokument sind, oder eben nur noch „Software as a picture“. Die Debatte ist ja nicht wirklich neu: Auch ein Schwarz-Weiß-Foto auf Film ist ja eine Manipulation, Bildausschnitte sind es auch. Trotzdem ist ein solches Bild nicht beliebig veränderbar. Heute stellt sich ja auch nicht mehr nur die Frage danach wie „echt“ ein Foto aus einer Kamera kommt – die Frage ist ja, ob es den oder das wirklich gegeben hat. KI-Verfahren bauen Bilder ja inzwischen selbst, ohne, dass es das reale Motiv gegeben hätte.

Die Ellerntorsbrücke und den Herrengrabenfleet gibt es, Hamburg gibt es auch. Der Nachtmodus meiner Augen hatte die Szene bloß anders abgespeichert als der des Telefons.