Der virtuelle Weinberg

Virtueller Weinberg

I/O, Landschaft 17. Januar 2016

Bei dieser Realität ist was Virtuelles mal ganz gut. VR ist ja angeblich das nächste große Ding, also schadet ein erster Versuch damit nicht. Googles Cardboard Camera ist dafür genau das Richtige: es gibt keine technische Hemmschwelle, die größte Hürde ist – für Grobmotoriker – das Zusammenfalten der Pappbrille. 

Die Brille ist irgendwie quick and dirty, tut aber was sie soll. Die App hingegen wirkt ausgereift; mit ihr werden 360-Grad-Panoramen so aufgenommen, dass sie später (mit dem Smartphone in der Brille) einen virtuellen Raum ergeben. Die Qualität der aufgenommenen Panoramen ist gut, selbst wechselndes Licht während der Aufnahme wird ordentlich ausgeglichen.

Cardboard-Überblick

A) Die VR-Bilder setzen sich mit Brille zum Raum zusammen
B) Das eigentliche Panorama
C) Nettes Feature: VR-Navigation durch die Bilder

Wie in der „richtigen“ Fotografie tut es dem Bild gut, wenn ausreichend Kontraste vorhanden sind – in diesem Fall verbessern sie den räumlichen Eindruck. Möglichkeiten der Einflussnahme auf Licht und Kontrast vor oder während der Aufnahme gibt es aber nicht. Bis auf eine Art „feste Blende“ erlaubt die App keine fotografischen Korrekturen.

Dennoch: Mit der Cardboard Camera ist man schneller mit praktischen Ergebnissen mitten im Thema, als man „Virtual Reality“ fehlerfrei sagen kann. Orte, die man schon X-Mal fotografiert hat, plötzlich und ohne Aufwand als VR-Raum zu sehen, ist ein spannendes Unterfangen.

Quick and Dirty: Cardboard-Brille

Quick and Dirty: Cardboard-Brille

Ein fotografisches Werkzeug ist die App nicht: alle relevanten Gestaltungs-Möglichkeiten fehlen. Überhaupt scheint die VR-Fotografie Gestaltung kaum vorzusehen – bis auf die Wahl des Standorts und der Perspektive. Aber es geht auch nicht um das klassische Bild, es geht um das Erstellen von Räumen, das macht es zu einem anderen Ding. Was das für das Fotografieren (inklusive Bildbearbeitung) bedeutet, wird spannend zu beobachten sein. Jenseits von Weinbergen in VR soll es ja auch sinnvollere Einsatzgebiete geben.